Seitenbereiche:


Navigation:
Inhalt:

Die Achse des Ofens, 1995

Eine Nachtreise mit der Werksbahn
Eine Produktion von Peter Androsch, Uwe Dörr und Stefan Kurowski

Mit Hans-Peter Minetti, Monika Tajmar und 30 Flüchtlingsfrauen aus verschiedenen Ländern
Dramaturgie, künstlerische Beratung: Davud Bousheri
Lichtgestaltung: Thomas Hinterberger
Recherchen: Maria Karl, Mitarbeit: Helmuth Gröbl
Aufführungsort: Voest-Gelände Linz Uraufführung: 19. September 1995, über 60 Aufführungen bis zum 15. Oktober im Rahmen des Festivals der Regionen 1995 unter dem Motto "Heiße Heimat".

Frühjahr 1938

Auf Befehl Hitlers muss St. Peter, ein idyllischer Vorort von Linz, dem Erdboden gleichgemacht werden. Wohnhäuser stehen in der Achse des Hochofens. Die Bewohner, 4.500 Arbeiter, Landwirte und Marktfahrer müssen ohne Verzug abgesiedelt werden. Am 4. Mai 1938 erfolgt die Gründung der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten "Hermann Göring", Linz als Tochtergesellschaft der gleichnamigen Reichswerke in Berlin. Am 13. Mai 1938 erfolgt der feierliche Spatenstich. Am 1. Juli 1938 beginnt der Bau. Interviews mit ehemaligen Bewohnern von St. Peter und dem damaligen Enteignungskommissär, der im Auftrag der Reichswerke AG "Hermann Göring", Berlin mit der Umsiedelung der Bewohner von St. Peter beauftragt wurde, beinhalten einen Teil des Projektes.

Auszug aus dem Interview mit Rechtsanwalt Johannes Meissner vom 12. März 1995:

"Ich sehe mich noch im Frühsommer 1938 an einem Samstag vor drei Wohnhäusern in St. Peter erscheinen, in denen etwa zehn Mietparteien wohnten. Die Hausfrauen hingen gerade die Wäsche auf oder brachten ihre Wohnungen für den Sonntag in Ordnung. Ihre Männer waren in der Arbeit. Als ich den Frauen eröffnete, bis Sonntagabend – also innerhalb von zwei knappen Tagen – müssten die drei Häuser geräumt sein, weil sie in der Hochofenachse lägen und am Montag früh gesprengt werden müssten, glaubten sie zunächst, ich rede irre. Als sie merkten, dass es mir ernst war, und sie sich etwas gefasst hatten, fragten sie: "Ja, wo sollen wir denn hin?" Grabe wo du stehst ist nicht nur das Motto des Geschichte-Clubs der Voest, sondern bezeichnet auch die Arbeitsweise an diesem Projekt. Ein Forschen im archäologischen Sinn. Ein Freilegen ihm wahrsten Sinne des Wortes. Beim Graben der Fundamente der Industrieanlagen wurden immer wieder frühzeitliche Funde freigelegt. In den Grabanlagen kamen Skelette und Gegenstände aus der Bronzezeit, der Hallstattkultur und dem Frühmittelalter ans Tageslicht. Vor mehreren tausend Jahren war dies die letzte Ruhestätte und Heimat von Menschen. Im ehemaligen Lehrlingsheim der Voest in der Lunzerstraße fanden bosnische Familien eine neue Zufluchtsstätte. Bewohnerinnen dieses größten Flüchtlingsheimes Österreichs werden im Rahmen des Projektes St. Peter mitwirken. Eine Heimat verschwindet, eine neue entsteht.

Das Projekt

"Die Achse des Ofens" findet seinen Platz auf dem Areal der Voest-Alpine Linz. In speziell umgebauten Waggons gelangt das Publikum mit der Werksbahn über das weit verzweigte Schienennetz auf die Erzhochbahn zur Achse der Hochöfen. An Haltepunkten werden Bilder und Hörerlebnisse vermittelt, die sich auf den verschwundenen Ort St. Peter beziehen und das Leben der Bewohner und ihrer Heimat beleuchten. St. Peter als Metapher für Vergänglichkeit und Heimat. Kompositionen, gesprochene Texte und Klänge begleiten die Reisenden durch die Industrielandschaft der Voest.

Hans-Peter Minetti, Stefan Kurowski, Peppo Pichler bei den Proben im LD1, Juli 2005

Hans-Peter Minetti schreibt in seinem Buch "Erinnerungen", 1997 zum Projekt "Die Achse des Ofens"

 Bitte klicken Sie auf die Bilder um sie zu vergrößern

 


spezielle Links: